Zero Marginal Costs – und was das mit Agilität zu tun hat

Der Begriff Zero Marginal Cost wurde von Jeremy Rifkin in seinem 2014 erschienen Buch „Zero Marginal Cost Society“ beschrieben. Erinnern wir uns an die letzte Betriebswirtschaftslehre Stunde an der Uni oder Hochschule: Grenzkosten (Marginal Cost) sind diejenigen Kosten, welche durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit eines Produktes entstehen.

Rifkin hatte schon früh erkannt, dass insbesondere durch die Vernetzung, welche durch das Internet und jetzt immer mehr auch bei physischen Dingen durch das „Internet of Things“, die Digitalisierung erst ihre eigentliche wirtschaftliche Wirkung entfalten kann: immer schneller sinkende Grenzkosten.

Wo die Kosten lagen – wo sie heute sind

Doch was hat dies nun mit Agilität zu tun? Eigentlich so ziemlich alles. Erinnern wir uns an die Zeit als wir noch Software für grosse (relativ) und isolierte Systeme und Anwendungsfälle schrieben. Hier waren die Grenzkosten – also das Erstellen einer weiteren Routine oder einer zusätzlichen Instanz nahezu bei 1:1. Nicht nur die „Herstellung“ der Software war aufwendig, nein auch die Vervielfältigung, Verteilung, Installation und selbstverständlich die (jahrelange) Wartung. All diese „Kosten“ fallen in einer heutigen modernen Architektur praktisch weg. Aber nicht nur das. Die Kosten entstehen heute an „Orten“ wo man es sich das bisher nicht gewohnt war.

Ihr kennt es alle – der Kunde weiss selten was er will – geschweige denn warum eigentlich. Die Komplexität und die Unsicherheit in langfristigen Entscheidungen (Optionen) hat exponentiell zugenommen in den letzten 10 Jahre. Oder, man könnte auch sagen, die Illusion von Stabilität erreicht ganz einfach langsam den Punkt von Realität.. Durch die immer engmaschigere Vernetzung in der Kommunikation hat jeder einzelne von uns Menschen heute ein unglaubliches Wissen welches vor noch nicht mal 10 Jahren komplett unvorstellbar war. Dies ermöglicht eine unglaubliche wirtschaftliche Konkurrenzsituation welche Monopole favorisiert. Mehr dazu in einem zukünftigen Post…

Die Kosten entstehen heute in der Entdeckung der richtigen Lösung oder eben wie es im „Manifesto for Agile Software Development“ in Bezug auf die Software Entwicklung selbst steht:

We are uncovering better ways of developing software by doing it.

www.agilemanifesto.org

Uncover what you think you now

Uncovering ist hier das Schlüsselwort. Zwar geht es schon lange nicht mehr nur um die Software Entwicklung selbst, sondern um den Wert (siehe auch 1. Prinzip) welcher geschaffen werden soll. Und eben genau diese Entdeckungsreise wird heute noch viel zu wenig ernst genommen (OMG wurde Design Thinking in SAFe aufgenommen oder hab ich das geträumt..dafür fehlt jetzt der Kunden :facepalm:).

Hier entstehen heute die Kosten – oder die Quelle für zukünftige Verschwendungen. Daher versuche ich Führungskräften und Teams den Wert des „Upstreams“ und die erstarkte Wichtigkeit von strategischem Denken und Handelns (z.B. mit Wardleymaps) zu erklären. Und hier liegen heute die Grenzkosten sehr hoch da häufig noch keine oder wenige gute Prinzipien und Praktiken vorhanden sind. Gute Ansätze findet man in Praktiken wie Design Thinking, Design Sprints, Lean Startup, etc. Doch der Weg für ein Team, geschweige denn eine ganze Organisation, um diese Techniken auch in das tägliche Denken und Handeln einzubauen scheint aktuell noch sehr steinig zu sein.

In den letzten 10 Jahren haben sich agile Werte, Prinzipen und Praktiken klar von einer Nische zum Mainstream entwickelt. Trotzdem sehe ich noch viele „Agile Shops“ in welchen nicht nur keinen Wert schaffen sondern auch keine Auseinandersetzung mit dem Thema stattfindet. Viele dieser Teams befinden scheinen immer noch im „Delivery“ Level (Agile Fluency) stecken geblieben zu sein. Hey! Es ist bald 2020 – let’s get to the Next Level!

Was meint ihr dazu? Kennt ihr eure Grenzkosten in eurem Vorhaben oder Thema? Freue mich über eure Kommentare – bis bald, Hardy