Die Reise in neue Gruppen

Fast alle Formen institutionalisieren Lernens in meinem Leben finden in Gruppen statt. Dies begann schon früh mit dem Eintritt in den Kindergarten, später dann in der Schule und heute im Berufsalltag. Die Prägung unseres Verhaltens in Gruppen findet allerdings bereits im Familiensystem, der Familiengruppe, statt. Ich habe in Gruppen beispielsweise gelernt, wie ich argumentiere, mich durchsetze und wann ich mich zurücknehme.

Ich – das Individuum in der Gruppe

Oft war das Zusammenkommen in Gruppen mit dem Erlernen von Lerninhalten verbunden. Die Gruppe hatte ein konkretes Ziel, welches bearbeitet werden musste. Ich als Individuum habe mich zur Unterstützung der Ziele in meinem Verhalten an den Normen der Gruppe orientiert und mich entsprechend versucht zu verhalten. Selbstverständlich kam es in Gruppen auch immer wieder zu Reibungen, diesen wurde von der Gruppe allerdings teilweise nicht nachgegangen, da das Ziel im Fokus stand. Ich möchte nicht behaupten, dass ich in diesen Gruppen immer angepasst war oder den Bedürfnissen der einzelnen Individuen Raum gelassen habe. Ich denke, das kennt jeder, dass man manchmal auch etwas ungehobelt unterwegs ist. Natürlich alles zu Gunsten des Ziels. Doch ist es tatsächlich zu Gunsten des Ziels?

Die Reise in eine neue Gruppe

Letzte Woche durfte ich in nach Deutschland reisen um eine persönliche Lernerfahrung mit Gruppen zu machen. Bereits letztes Jahr habe ich mich für ein Sensivity Training, ein gruppendynamisches Training, angemeldet. In meinem Beitrag „Was hat Gruppendynamik mit Kanban zutun?“ schildere ich meine Eindrücke des ersten Trainings, welches nun schon einige Jahre zurück liegt. Aus diesem ersten Training habe ich viele Erkenntnisse mitgenommen und war nun bereit diese erneut zu reflektieren und meinen persönlichen Lernpfad zu beleuchten.

Theorie und Praxis

In der Theorie kann man nachlesen, wie ein Sensivity Training abläuft und wie die Erweiterung sozialer Kompetenz durch verhaltensorientierte Trainings funktionieren. Doch selbst mit dem Wissen um die Struktur ist jede Gruppe anders und unterschiedliche persönliche Verhaltensmuster kommen an den Tag. Grund dafür ist, dass die eigene Person, das eigene Verhalten und die Wirkung auf die anderen Teilnehmenden im Vordergrund stehen und ganz in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden. Das kognitive Wissen über mein soziales Verhalten alleine führt nicht unbedingt Veränderungen herbei und so ist das soziale Erleben, Erfahren und Erproben wichtig.

Die Gruppe und ich

Ich bin unendlich dankbar für diese erneute Erfahrung in meiner Trainingsgruppe, im Plenum und der Unterstützergruppe. Hier ein grosses Dankeschön an alle, welche mit mir die Woche erlebt haben. Die Gruppe gab mir die Möglichkeit neue Wege zu gehen und neues Verhalten auszuprobieren und mich meinen herkömmlichen Mustern zu stellen. Eine Gruppe Menschen, welche sich teilweise noch nie zuvor gesehen haben, bildet den Resonanzraum. Diese Menschen haben mir mein eigenes Verhalten gespiegelt.

Geschenk meiner Gruppe an mich

Die Gruppe gab mir die Möglichkeit meine Selbst- und Fremdwahrnehmung zu verbessern, emotionale Stabilität und Belastbarkeit weiter zu entwickeln, spontan zu sein, eine adäquate Ausdrucksweise zu schulen und mich in verschiedenen Rollen zu bewegen. Ich habe die Möglichkeit erhalten mich auszuprobieren und in einem ungefährlichen Rahmen, Verhaltensänderungen und ihre Wirkung zu erfahren.

und jetzt?

Nach einer Woche führt mich mein Weg zurück in die Schweiz. Ich bin sehr dankbar dafür diese Menschen kennengelernt zu haben, auch wenn mich der Eine oder Andere ganz schön herausgefordert hat. Diese intensive Woche hat mir den Mut gegeben mich in Gruppen auszuprobieren und mich bewusster einzubringen.

Wie beim ersten Training hat sich mein gruppendynamischer Blick wieder geschärft. Zur Entlastung meines Umfeldes waren die Auswirkungen nicht mehr so umfassend und anstrengend, wie nach meinem ersten Training. So hat mein privates und berufliches Umfeld keine schonungslose Überdosis an gruppendynamischer Analyse erfahren. Ich bin jetzt viel mehr bei mir, im Hier und Jetzt. Das hat Auswirkungen auf das Umfeld und die Gruppen, in welchen ich mich bewege.

Veröffentlicht von

Simone Ackle-Lüchinger

Beleuchten Sie mit mir das Arbeitssystem und das soziale System mit einem speziellen Augenmerk auf das, was die Menschen bewegt in der Veränderung und was es braucht. Im Veränderungsprozess unterstütze ich Sie mit einem massgeschneiderten Setting. Ein bunter Strauss an Methoden begleiten uns auf dem agilen Weg. Langjährige Erfahrung als Beraterin für Einzelpersonen, Gruppen und Teams Supervision, Coaching, Fallbesprechungen, Organisationsentwicklung, Kanban, Scrum, langjährige Verwaltungs- und Führungserfahrung. Mitglied bso - Berufsverband für Coaching, Supervision und Organisationsberatung Mitglied DGGO - Deutsche Gesellschaft für Gruppendynamik und Organisationsdynamik www.gutberatensein.ch www.kanban-formation.ch

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